Die Rückkehr des iPod
Das moderne Apple fußt auf dem Erfolg des iPod. Klar, der iMac war ein bahnbrechender Heimcomputer, der zeigte: Apple ist zurück. Und er war ein Rechner „für den Rest von uns“ – einer, den niemand unterm Schreibtisch verstecken wollte. Doch der iPod war der erste kühne Griff des erstarkten Apple nach dem Massenmarkt.
Neu war die Idee nicht. Digitale Musikplayer gab es schon vor dem iPod. Doch die meisten waren furchtbar. Der iPod nicht. Er war anders als alles, was es sonst gab.
Steve Jobs stellte den iPod 2001 vor, und er passte perfekt in die „Digital Hub“-Strategie von Apple. Der Mac war das Zentrum des digitalen Lebens, die Geräte kreisten darum. (Nicht wörtlich, obwohl das cool gewesen wäre.) Die Tüftler von Apple hatten unzählige Stunden mit solchen Geräten verbracht und eine große Lücke entdeckt: Die Apps kannten die Geräte nicht – und die Geräte wussten nichts von den Apps. Das musste sich ändern. Als Schlachtfeld wählte Apple die Musik. „Wir lieben Musik, und es ist immer gut, etwas zu tun, das man liebt“, sagte Jobs und nannte handfeste Gründe: Musik gehöre zum Leben aller. Der Markt war also keine Spekulation. Geknackt hatte ihn nur noch niemand.
Der erste digitale Player mit einem gewissen kommerziellen Erfolg war der winzige Rio PMP300. Doch seine mageren 32 Megabyte Speicher fassten kaum die Songs einer CD. Ein paar Jahre später löste die Creative Nomad Jukebox das Kapazitätsproblem mit einer üppigen 6-Gigabyte-Festplatte. Dafür war das Gerät groß, schwer und umständlich zu bedienen. Apple wollte etwas Besseres: ein kleines, gut bedienbares Gerät für die komplette Musiksammlung.
Der Durchbruch kam über eine 1,8-Zoll-Festplatte, die Toshiba gebaut hatte, ohne zu wissen, wofür. Apple wusste es. Bei einem Besuch kaufte Hardwarechef Jon Rubinstein den gesamten Bestand, und Apple baute einen Player um das winzige Laufwerk herum. Das Ergebnis war ultramobil – von der Größe eines Kartenspiels. Großes Display und flüssiges Scrollrad machten kurzen Prozess mit riesigen Musikbibliotheken. Und FireWire füllte die 5-Gigabyte-Festplatte in Minuten statt in Stunden wie bei USB-Konkurrenten.
Apple wollte den bestmöglichen MP3-Player bauen – einen, der zur Ikone taugt. Genau das gelang mit dem 530 Euro teuren Gerät. Ein Soforterfolg war es zwar nicht, doch Apple legte schnell nach. Die Windows-Unterstützung vergrößerte den Markt enorm. Neue Modellreihen sorgten dafür, dass für jeden ein iPod dabei war. Doch 2014 stellte Apple den iPod classic abrupt ein. Acht Jahre später verschwand auch das letzte verbliebene Modell – der iPod touch, der mehr iPhone als iPod war. Schade, denn digitale Musikplayer hatten noch viel zu bieten. Und haben es bis heute.
Vielleicht reizt Sie ja eher die Idee, alte iPods in Kunstobjekte zu verwandeln, statt sie für nostalgische Musiksessions wiederzubeleben. Ein Objektrahmen von Ikea, farbiger Tonkarton als Hintergrund und ein paar gut gesetzte Klettstreifen ergeben ein schickes Schmuckstück für Ihre Wand. Wer es noch weiter treiben will, schaut sich die Rahmen mit zerlegten Geräten von Grid Studio an. Gleich mehrere iPods gibt es dort, jeweils mit Blick auf ihr Innenleben. Günstig ist das nicht – es sind schließlich Kunstwerke.
Ein Blick ins Netz zeigt: Verschwunden sind sie nie. Sie wurden nur zur Nische für ein deutlich kleineres Publikum. Der Mainstream dachte: Wenn fast jeder ein Smartphone besitzt, das Millionen Titel auf Abruf liefert, ist ein eigener Player überflüssig. Eingefleischte Fans sahen das anders. Apple ließ sie fallen, also gingen sie woanders hin – zu Playern mit modernen hochauflösenden Formaten sowie Funktionen wie Bluetooth-Audio und microSD-Erweiterung.
Pod-Fieber
In letzter Zeit feiert allerdings die iPod-Reihe selbst ein Comeback. Stöbern Sie durch YouTube oder TikTok, schwärmen dort Tausende von ihrer neuen Leidenschaft – die zufällig ein alter iPod ist. Besonders spannend: Viele Fans des Apple-Players gehören zur Generation Z und haben die erste iPod-Ära gar nicht miterlebt. Dafür waren sie zu jung. Nostalgie treibt dieses Comeback also nicht an. Es ist etwas ganz anderes.
Was wir sehen, ist eine leise Rebellion. Oder vielleicht eine Absage an die Gegenwart. So oder so: Junge Menschen fühlen sich fremdbestimmt. Künstliche Intelligenz (KI) bedroht Jobs. Die Lebenshaltungskosten sind explodiert. Wohnraum ist unbezahlbar. Und obendrein merken viele, dass ihnen ihre liebsten Medien nicht einmal gehören.
Dazu kommt die Erkenntnis, dass moderne Geräte Ablenkungsmaschinen sind. Smartphones buhlen ununterbrochen um Aufmerksamkeit. Selbst in Apple Music oder Spotify übernehmen Algorithmen das Ruder und geben vor, was Sie hören.
Diese Mischung aus Abo-Müdigkeit und Digital Detox – bei älteren Fans garniert mit etwas Wehmut – macht einen alten iPod reizvoll. Er kennt keine Werbung, keine KI, keine Algorithmen, kein Internet. Wie beim Comeback der Schallplatte holt der iPod die Musik zurück in einen abgeschlossenen Raum, den Sie kontrollieren. Sie kuratieren Ihre Sammlung und entscheiden, was hineingehört. Und Sie entgehen der Qual der Wahl, die der Zugriff auf fast jeden je aufgenommenen Song mit sich bringt.

Im Kern besetzt der iPod einen echten Sweetspot. Er verbindet den Komfort digitaler Musik mit dem Besitzgefühl physischer Medien. Sie tragen Tausende Songs bei sich – statt erdrückender Millionen auf einem Gerät, das ständig um Ihre Aufmerksamkeit kämpft. Zudem bietet der Wechsel vom Streaming zum Download die Chance, Künstler besser zu unterstützen. Sie können CDs kaufen und rippen (passende Hardware und geltendes Urheberrecht vorausgesetzt) oder MP3s online bei Anbietern wie Bandcamp erwerben.
iPod (1. Gen)
Vorgestellt: 2001
Das Original startete die mobile Musikrevolution. Ein beeindruckendes Stück Technik, doch viele Einschränkungen machen es zum schlechten Alltagsgerät. Wenn Sie ihn unbedingt haben wollen: ins Regal stellen, bewundern und Musik woanders hören.
iPod mini (1. Gen)
Vorgestellt: 2004
Ein wunderschöner iPod. Die Metallhülle liegt hervorragend in der Hand, und das Click Wheel mit integrierten Tasten übernahmen später auch größere iPods. Nutzbar ist er noch, vor allem mit iTunes. Doch ehrlich: Auch er ist heute ein Ausstellungsstück.
iPod shuffle (1. Gen)
Vorgestellt: 2005
Der Name war Programm. Die Idee hinter dem bildschirmlosen iPod: das Gerät mit Titeln vollpacken und zufällig abspielen. Er taugt bis heute – einfach zu bedienen und anzuschließen (er ist mehr oder weniger ein USB-A-Stick) und nahezu unkaputtbar.
iPod (5. Gen)
Vorgestellt: 2005
Die eigentliche Empfehlung ist das, was iPod-Bastler die 5,5. Generation nennen. Diese Überarbeitung von 2006 bot verbesserte Hardware und Klangqualität. Vor allem aber ist dieser iPod so beliebt, weil er sich leicht reparieren und umbauen lässt.
iPod classic
Vorgestellt: 2007
Der letzte „echte“ iPod bekam ein „classic“ an den Namen. Das passt bis heute. Suchen Sie nach einer Version mit 120 oder 160 Gigabyte, denn die erhielten wichtige Feinschliffe. Beachten Sie aber: Der classic bietet weniger Umbaupotenzial als die 5. Generation.
iPod shuffle (4. Gen)
Vorgestellt: 2010
Kehrtwende: Nach der kuriosen 3. Generation ganz ohne Bedienelemente kehrten die Tasten zurück. Die 4. Generation knüpfte an die 2. an – ein robuster Metallclip mit Tasten. Der Klang ist top, damals war er spottbillig, heute gibt es ihn für wenig Geld.
iPod nano (7. Gen)
Vorgestellt: 2012
Der iPod nano war der Designspielplatz von Apple und wechselte die Form öfter als David Bowie seine Kunstfiguren. Speicher und Umbaupotenzial sind bei allen knapp, doch die 7. Generation ist die beste – mit großem Display, Bluetooth und Lightning.
iPod touch (7. Gen)
Vorgestellt: 2019
Das letzte Aufbäumen der iPod-Reihe wirkt reizvoll, weil es vieles kann, was ein iPhone kann. Genau deshalb sollten Sie ihn meiden. Ihm fehlt der Fokus klassischer iPods und die Langlebigkeit – er gleicht einem zehn Jahre alten iPhone ohne die Telefon-App.
Freie Auswahl
Danach bleibt die Frage, welcher iPod am besten zu Ihnen passt. Ein iPod classic ist ein hervorragendes Gerät für eine große Sammlung. Ein iPod shuffle eignet sich ideal für eine kleine Auswahl. Richtig oldschool wird es so: Fassen Sie ganze Alben in je einer Audiodatei zusammen, laden Sie fünf davon auf einen iPod shuffle und genießen Sie sie als geschlossene Kunstwerke.
Anlage entstauben
Dafür brauchen Sie natürlich erst einmal einen echten iPod. Vielleicht haben Sie Ihren längst verkauft – dann müssen Sie online Ersatz auftreiben. Oder Ihr iPod verstaubt seit Jahren in einer Schublade. So oder so: Etwas Aufwand ist nötig, bis die Musik wieder läuft.
Neben der Hardware lässt sich bei einem alten iPod auch die Firmware gegen eine Alternative austauschen. Ganz trivial ist das nicht, doch am Ende steht ein iPod mit Unterstützung für FLAC und Ogg Vorbis, längerer Akkulaufzeit, lückenloser Wiedergabe, diversen Themes und einer Bibliotheksverwaltung ohne iTunes oder die Musik-App. Zu den beliebtesten Optionen zählt Rockbox, das sich praktischerweise neben der originalen iPod-Firmware installiert. Wenn Sie also wieder zurück zum Original möchten, geht das jederzeit schnell und einfach.
Nicht jeder iPod versteht sich gut mit der Musik-App und dem Finder. Unter Umständen brauchen Sie Windows mit iTunes in einer virtuellen Maschine. Oder Sie probieren das eingestellte Retroactive, mit dem Sie iTunes auf einem modernen Mac installieren. Entgegen eigener Angabe klappt das mit iTunes 10.7 auch unter macOS 26 Tahoe. Zum Start ist aber eventuell dieser Terminal-Befehl nötig:
sudo codesign --force --deep --sign - /Applications/iTunes.app
(Unter macOS 27 Golden Gate funktioniert das nicht.)
Wichtiger ist die Frage, ob die Hardware überhaupt noch läuft. Der Akku dürfte längst hinüber sein – bei den meisten versiegelten Geräten sieht es nicht anders aus. Mit etwas Interesse und Budget sind diese Hürden aber leicht zu nehmen.
Für die meisten iPods gibt es bezahlbare Ersatz- und Bauteile, und Firmen reparieren Ihr Gerät für kleines Geld. Wer lieber selbst zum Schraubendreher greift, findet bei iFixit und YouTube jede Menge Anleitungen dazu.
Danach holen Sie den iPod in die Gegenwart – etwas, das Apple nie tat. Tauschen Sie das Gehäuse. Gestalten Sie das Click Wheel um. Ersetzen Sie die Festplatte durch einen microSD-Adapter wie den iFlash-Quad: mehr Speicher und spürbar weniger Gewicht. Wie auch immer Ihre iPod-Geschichte aussieht – das klingt nach Musik in Ihren Ohren.
Schritt 1
Downloads aus dem Apple-Music-Abo lassen sich nicht auf alte iPods übertragen. Sie brauchen DRM-freie Inhalte aus dem iTunes Store, von Bandcamp oder CD-Rips. Öffnen Sie dazu die Musik-App und wählen Sie „Ablage > Neu > Intelligente Playlist“.
Schritt 2
Legen Sie drei Regeln für „Cloud-Status“ an: „Abgeglichen“, „Gekauft“, „Übertragen“. Die Playlist soll auf beliebige Regeln passen. Klicken Sie auf „OK“ und benennen Sie sie in der Seitenleiste in „iPod: verfügbar“ um. Das ist alles Übertragbare.
Schritt 3
Aktivieren Sie „Darstellung > Statusleiste einblenden“ und scrollen Sie in der Playlist, bis die Größe erscheint. Passt sie auf Ihren iPod, ist auf dem Mac Platz und wollen Sie alles übertragen, laden Sie die Dateien per Download-Button. Falls nicht …
Schritt 1
Nun folgt eine zweite intelligente Playlist „iPod:lokal“, die die erste eingrenzt. Setzen Sie die erste Regel auf „Playlist ist iPod: verfügbar“ und die zweite auf „Ort ist auf diesem Computer“. Diesmal muss die Playlist auf alle Regeln passen.
Schritt 2
Scrollen Sie erneut durch die Playlist und prüfen Sie Größe und Inhalt. Was Sie in der ersten Playlist herunterladen, taucht in der zweiten auf. So sehen Sie jederzeit alle Titel, die infrage kommen – und jene, die Sie gerade übertragen können.
Schritt 3
Schließen Sie den iPod am Mac an; er erscheint in der Finder-Seitenleiste. Wählen Sie im Tab „Musik“ die Option „Ausgewählte Künstler:innen, Alben, Genres und Playlists“, dann im Tab „Playlists“ „iPod: lokal“. Dann auf „Anwenden“ klicken.

Ein iPod shuffle soll Titel zufällig abspielen – er eignet sich aber auch bestens für bewusstes Hören. Öffnen Sie einen Titel eines DRM-freien Albums in QuickTime. Über „Bearbeiten > Clip am Ende hinzufügen“ hängen Sie die übrigen an. Sichern Sie das Album per „Ablage > Exportieren als > Nur Audio“ als AAC. Importieren Sie diese Alben in „Musik“, vergeben Sie den Zusatz „komplettes Album“ und übertragen Sie sie auf den iPod shuffle – oder jeden anderen iPod. Doch weil der iPod shuffle keinerlei Ablenkung bietet, ist er am besten für dieses Unterfangen geeignet.

Wenn jemand bei der Mac Life Ordnung ins Chaos bringt, dann ist es Sven T. Möller – und das gleich in doppelter Hinsicht. Als Layouter gibt er jeder Ausgabe ihre unverwechselbare Gestalt, als Redakteur sorgt er dafür, dass Apple-Themen mit der nötigen Tiefe behandelt werden. Sven ist seit Mitte der 2000er Jahre an Bord und damit eines der echten Urgesteine des Teams. Smarthome beschäftigt ihn als Eigenheimbesitzer mit besonderer Ernsthaftigkeit – und gelegentlich auch Frustration. Außerdem ist er mit Leidenschaft Musikhörer, wobei „hören“ bei Sven gerne auch als „beschallen“ interpretiert werden darf: Tests etwa für Bluetooth-Lautsprecher verantwortet er, frei nach dem Motto „je größer und lauter, desto besser“. Sven ist Mitbegründer und Co-Host des Apple-Podcasts Schleifenquadrat.
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